Historie

Über die Anfangsjahre

Unter unserem damaligen ersten Vorsitzenden, Herbert Imig, wurde die Chronik der Gesellschaft, für die Festschrift 1993, mit sehr viel Aufwand erarbeitet. Diese möchten wir jetzt, wenn auch in einer etwas gekürzten Fassung, auf der neuen Homepage der Sayner Schützen übernehmen und fortschreiben.

Das Gründungsjahr der Schützengesellschaft Sayn liegt in der Endphase einer Epoche, die in der Geschichte als Zeit der Restauration und der Revolution bezeichnet wird. Wirtschaftlich wurde diese Zeit durch die sich ausbreitende Industrialisierung bestimmt. Der Grad der Industrialisierung im Ort Sayn war sehr hoch. Die Ortsgemeinde Sayn gehörte 1843 nach der preußischen Verwaltungsordnung zur Bürgermeisterei Bendorf. In der Ausgabe Nr. 241 vom 19. Oktober berichtete der Coblenzer Anzeiger:

Sayn, 16. October 1843. Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät (Friedrich Wilhelm IV.) unseres Königs wurde von der sich dahier neuerdings gebildeten Schützengesellschaft auf folgende Weise, der hohen Bedeutung des für Preußen wichtigen Tages, gefeiert. Nachdem der dem Tage angemesse Gottesdienst unter Absingen des feierlichen „Te Deum“ beendigt war, versammelte sich die Schützengesellschaft im Hause des Schützenvaters Herrn Merz II. Hand in Hand bildeten die Schützen einen Kreis um ihren Vorsteher und dieser trug die für die Gesellschaft bestimmten Verhaltensregeln vor, wo bei den Worten: Urkundlich unter dem gegebenen Handschlag, jeder dem Vorsteher Herrn Cappallo die Hand reichte, zum Zeichen, seinen Anordnungen als Vorsteher Folge zu leisten. Von hier aus ging es unter Begleitung einer gut besetzten Musik zum Schießplatz, woselbst ein Vogelschießen stattfand. Nicht volle 2 Stunden dauerte es, so war der Preis erreicht. Der Schluß des Tages wurde durch einen gesellschaftlichen Ball, in dem prachtvoll dekorierten Lokale des Schützenvaters beschlossen“.

Die hier beschriebene Veranstaltung muss als Gründungsveranstaltung unserer Gesellschaft angesehen werden. Die ordnungsgemäße Anmeldung der neu gegründeten Gesellschaft erfolgte beim Landrat in Koblenz. Verwaltungsintern musste der Oberpräsident, mit Sitz in Koblenz, seine Genehmigung erteilen. Die Registrierung der Schützengesellschaft erfolgte mit Aktenzeichen A II, Nr. 4174 am 21. November 1843.

Herbert Imig

Protektorat der Schützengesellschaft Sayn 1843 e.V.

Gesellschaften suchten auf ihrem Weg einen Schutzherren, dem sie sich anschließen und unterstellen konnten. Die Schützengesellschaft Sayn trug bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung dem nach Sayn zurückgekehrten Fürsten Ludwig-Adolf-Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg die Unterschutzstellung der Gesellschaft an. Vertraglich beurkundet und vereinbart wurde dies am 20. August 1850.

Im Jahre 1878 übernahm sein Sohn Alexander, der spätere Graf von Hachenburg, das Protektorat. Alexander Prinz zu Sayn-Wittgenstein und spätere Graf von Hachenburg war über 70 Jahre Mitglied der Gesellschaft und nahm als deren Protektor sehr regen Anteil an der Entwicklung und an den Aktivitäten der Sayner Schützen. Er besuchte die Mitgliederversammlungen, nahm teil an den Festen und war während seiner Reisen stets in Briefverbindung mit dem Vorstand und einzelner Mitglieder der Sayner Schützengesellschaft.

Fürst Ludwig u. Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn beim Schützenfest 1960 in Sayn

Ein Schild aus Metall

Beim Schützenfest im Jahre 1896 wurde der Graf von Hachenburg Schützenkönig und stiftete satzungsgemäß „ein Schild aus edlem Metall“, welches auf die Schärpe (die erste Königskette wurde erst im Jahre 1928 gestiftet) aufgeheftet wurde. Im Jahre 1890 stiftete der Graf der Schützengesellschaft Sayn eine neue Fahne und im Jahre 1928 die erste Königskette. Die Stiftung der Königskette erfolgte aus Anlaß des 50-jährigen Protektorjubiläums und löste somit die bisdahin verwendeten Schärpen ab. Auf dem Bild rechts besuchte eine Abordnung der Schützengesellschaft Sayn, im Jahre 1937, ihren 2. Protektor anläßlich seines 90. Geburtstages in Hachenburg. Hochbetagt verstarb Alexander Graf von Hachenburg im Jahre 1940 in Wissen.

Prinz Stanislaus & Graf Alexander von Hachenburg

Nach der „unstandesgemäßen“ zweiten Hochzeit seines Vaters übernahm Prinz Stanislaus 1883 das Fideikommiss Sayn und den damit verbundenen Titel eines Fürsten und wurde somit Chef des Hauses Sayn-Wittgenstein-Sayn. Das Protektorat über die Sayner Schützengesellschaft wurde aber weiter vom jetzigen Grafen Alexander von Hachenburg ausgeübt. Fürst Stanislaus zu Sayn-Wittgenstein-Sayn übernahm das Protektorat der Sayner Schützengesellschaft erst nach dem Tode seines Vaters Graf Alexander im Jahre 1940. Fürst Stanislaus zu Sayn-Wittgenstein-Sayn starb im Jahre 1958 kinderlos. Sein Neffe und Erbe, Prinz Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, übernimmt den Besitz in Sayn.

Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn

In diesem Zusammenhang übernahm Fürst Ludwig auch das Protektorat unserer Gesellschaft. Fürst Ludwig beteiligte sich sehr rege an den Geschehnissen der Gesellschaft und wurde im Jahre 1960 unser Schützenkönig. Seitdem ist er auch mit einer Plakette in der „alten“ Königskette vertreten. Durch einen tragischen Verkehrsunfall verstarb unser 4. Protektor, Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, leider sehr früh im Jahre 1962. Leider fehlt sein Königsteller in unserer Galerie der Schützenkönige. 

Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn

Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn übernahm 1962, von seinem verstorbenen Vater, das traditionsreiche Protektorat, dass er bis zum heutigen Tage ausübt. Im Jahre 1993 stiftete er, anläßlich des 150-jährigen Jubiläums, der Schützengesellschaft Sayn eine neue Königskette. Diese „Kette“ dient bis heute unseren Schützenkönigen als „Insignium“ ihrer Königswürde. 

In Festschrift von 1993 wies Fürst Alexander in seinem Grußwort als Protektor auf die seit 1850 bestehende enge Verbindung des Hauses Sayn-Wittgenstein-Sayn zu der Sayner Schützengesellschaft hin. Heute schreiben wir das Jahr 2011 und wir können mit Stolz, auf das seit über 16 Jahrzehnte bestehende Protektorat der Sayner Fürsten zurück blicken.

Mitglieder, Majestäten und Vorstände der Schützengesellschaft Sayn 1843 e.V.


Die Beiträge erfolgen in lockerer Reihenfolge, so wie mir diese zur Kenntnis gelangen …

Peter Siebert oder in Sayn besser bekannt unter dem Namen „dä Sieberts Pitter“ trat im Jahre 1928 in die Sayner Schützengesellschaft ein. Nach dem Tode seiner Mutter übernahm er 1951 mit seiner Schwester Therese, in der Mittelgasse 8, das Gasthaus Siebert. Bei den alten Sayner heißt die Mittelgasse heute noch „Sieberts Gässje“.
Peter Siebert war Teilnehmer der Abordnung der Schützengesellschaft Sayn, die im Jahre 1937 ihren Protektor Alexander Prinz zu Sayn-Wittgenstein, Graf von Hachenburg, anläßlich seines 90. Geburtstages in Hachenburg besuchten. Im Jahre 1935 wurde Peter Siebert Schützenkönig in Sayn. Ihm wurde im Jahre 1953 die Ehrennadel des Deutschen Schützenbundes verliehen. Peter Siebert war 59 Jahre Mitglied bei den Sayner Schützen. Er verstarb im Jahre 1987.

Foto– und Textvorlage: Heimatarchiv-Sayn, Peter Siebenmorgen

Chronik der Sayner Schützen wird fortgeschrieben …

von Dieter Ullmann, SG Sayn

Nach dem 2. Weltkrieg kam es zum Neubeginn der Schützengesellschaften und Bruderschaften. Am 10. Januar 1949 genehmigte der französische Militärgouverneur in seiner Zone wieder die Gründung von Schützengesellschaften. Vielfach wurden die ersten Könige noch mit Pfeil und Bogen oder mit der Armbrust ausgeschossen. Die Schützengesellschaft Sayn feierte im Jahre 1951, mit Erich Jackel, ihren ersten Schützenkönig nach den überstandenen Kriegswirren. Ausgeschossen wurde der König mit einem Kleinkalibergewehr.

Im Jahre 1978 wurde unsere Damenabteilung gründet. Die Schützenfrauen hatten somit erstmalig die Möglichkeit, am Schützenfest eine Damenkönigin auszuschießen. Erste Damenkönigin wurde 1978 Irmgard Scholtyssek. 

Nach 25 Jahren als 1. Vorsitzender legte Herbert Imig in 2000 sein Amt nieder. Neuer Vorsitzender wurde Michael Gross. In dieser Zeit begann der Aufbau eines neuen Luftgewehrstandes. Im Oktober 2005 übernahm Dieter Ullmann den Vorsitz der Gesellschaft und beendete den Neubau des Luftgewehrstandes. Die Zulassung erfolgte am 15. Dezember 2005. Anschließend erfolgte der Neubau des Schützenhauses, die Schließung des alten Luftgewehrstandes, der Klause sowie die Erweiterung des Parkplatzes und die Neugestaltung des Innenhofes. In 2016 wurde der Bauantrag für die Erneuerung des Kugelfangs im Langwaffenstand gestellt.

Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, sein Königsteller wurde nach
56 Jahren in die Galerie Schützenkönige aufgenommen …

Anlässlich der Jahreshauptversammlung 2016 der Schützengesellschaft Sayn 1843 e.V., in der Alexander, Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn geehrt wurde, hat dieser festgestellt, dass sein Vater Ludwig, der 1960 Schützenkönig war, nicht in der Galerie der Schützenkönige vertreten war. Er bat den 1. Vorsitzenden, Dieter Ullmann, nachträglich eine Ehrenscheibe anfertigen zu lassen. Diesem Wunsch ist unsere Gesellschaft gerne nachgekommen. Warum es im Königsjahr 1960-1961 von Fürst Ludwig, der ja auch Protektor unseres Schützenvereins war, keinen Königsteller gibt kann heute nicht mehr belegt werden. 

Weit über ein halbes Jahrhundert später, am 27. September 2016, konnte der nachgefertigte Königsteller für Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, im Beisein seiner Ehefrau Fürstin Marianne und seines Sohnes Fürst Alexander, endlich seinen angestammten Ehrenplatz in der Schützenhalle der Sayner Schützengesellschaft 1843 e.V. finden.



Text und Foto:
Dieter Ullmann, SG Sayn